Warum Honig das vielseitigste Lebensmittel ist

Warum Honig das vielseitigste Lebensmittel ist

Honig auf dem Brot, das kennt jeder. Honig zum Kochen oder Backen ist schon etwas unbekannter. Da kann man schon denken: „Es gibt so viele verschiedene Honige in so vielen Geschmacksrichtungen, wie toll ist das denn?!“ Und dann kann man diesen Honig noch als Ersatz für Zucker benutzen!

Wow, was für ein Tausendsassa – denken Sie? Weit gefehlt! Honig kann noch viel mehr!

Honig ist schon seit einigen tausend Jahren bekannt. Schon in der Steinzeit waren Honigjäger unterwegs, um sich und ihrem Stamm leckeren Honig zu besorgen.[1] In der heutigen Türkei wurde vor 7000 Jahren bereits mit der Haltung von Bienen begonnen und die alten Ägypter waren auch bestens mit der Imkerei vertraut. Sowohl die Griechen als auch etwas später die Römer haben sich Bienen gehalten und im Mittelalter wurde weiterhin fröhlich Honig verspeist.[2]

Aber wozu wurde denn der Honig über die Jahrtausende genutzt? Zum Essen etwa?

Ja und nein. Gegessen wurde er schon immer, aber die Mystifizierung der Honigbiene kommt nicht von ungefähr. Die Verbindung zwischen den Menschen und unseren kleinen schwarz-gelb gestreiften Freunden ist wesentlich profunder. Honig hat schon lange eine faszinierende Wirkung auf die Menschen und es wurden ihm gar göttliche Eigenschaften nachgesagt,[3] da es gegen viele verschiedene Dinge helfen soll. Honig ist zum einen nahrhaft, da er neben einer Menge Kohlenhydrate auch mehrere Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und eine ganze Menge an Aminosäuren enthält. Außerdem beinhalten qualitative und hochwertige Honige auch etwas Blütenpollen und Spuren von Propolis, denen ebenfalls beeindruckende Wirkungen nachgesagt werden. Die Ägypter hatten vor über 4000 Jahren schon ein Wundsalbenrezept in dem Honig ein Hauptbestandteil war.[4] Die Griechen haben Honig sogar als Mittel gegen Fieber genutzt.[5] Sowohl in der Bibel als auch im Koran wird Honig erwähnt und ihm göttliche bzw. heilsame Fähigkeiten zugeschrieben. Bis heute wird Honig eine heilsame Wirkung zugesprochen und in der Apitherapie wird alles aus dem Bienenstock verwendet, um dem Menschen das Leben zu erleichtern.

Aber Honig ist kein Heilmittel oder doch?

Honig darf vom Gesetz her keine Heilwirkung zugesprochen werden, da es ein Lebensmittel ist. Deshalb darf Honig auch nicht als Arzneimittel bezeichnet werden. Was hat es dann mit dem medizinischen Honig auf sich? Dieser wird nämlich schon in vielen Krankenhäusern zur Wundheilung benutzt. Meistens ist der medizinische Honig Manukahonig, welcher mit Gammastrahlen behandelt wurde um sämtliche Keime und Pilze, die im Honig sein können, abzutöten. Was im ersten Moment beängstigend klingt ist völlig ungefährlich. Die Strahlen beschädigen nämlich die empfindlichen Enzyme im Honig nicht, die für die Heilung hilfreich sind. Würde man den Honig erhitzen würden nicht nur die Keime, sondern auch die Enzyme und somit die Wirkung des Honigs zerstört werden.[6] Die vielen Regeln in Bezug auf Heil- und Gesundheitsmittel machen dann doch Sinn, denn einem gesunden Menschen können normalerweise ein paar Keime nichts anhaben, aber einem kranken oder geschwächten Menschen schon. Deshalb ist Honig als Heilmittel auch so streng reglementiert und bisher meist nur aus Manukahonig.

Die Forschung sagt: Nicht nur zur Wundheilung, sondern auch gegen Bakterien oder Viren.

Die TU Dresden gilt als der „Entdecker“ des MGO-Wertes, der die Intensität des Manukahonigs bestimmt. Dort hat man herausgefunden, dass Manukahonig sogar antibiotikaresistente Bakterienstämme abtöten kann. Die entzündungshemmenden Eigenschaften könne auch bei Magen-Darm-Erkrankungen helfen.[7] Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, benutzen schon lange den Manukahonig gegen Entzündungen, Infektionen und Erkältungskrankheiten. [8] Doch auch andere Honigarten wurde schon getestet und es gab überraschende Ergebnisse. So hat Honig einen Effekt auf diverse Bakterienarten, wie Diphterie, Typhus oder Cholera.[9] Der Grund dafür soll das Hydrogen-Peroxid sein, das in so gut wie allen Honigen enthalten ist.[10] Und sogar gegen Viren hilft Honig sagt die Wissenschaft! Im Labor hatten Manuka und Kleehonig antivirale Wirkung gegen das VZ-Virus, welches an Windpocken und Gürtelrose die Schuld trägt.[11]

Ist Honig also ein Allround-Wundermittel?

Wenn Honig der Schlüssel für die Probleme dieser Welt wäre, dann wären Imker die wohl reichsten Menschen dieser Welt. Aber klar ist wohl, dass selbst bei den Wissenschaftlern Honig mehr in den Fokus gerückt ist und es immer mehr Studien zur positiven Wirkung von Honig gibt. Ich wage gar die These, dass der Trendhonig Manuka mittelfristig nicht allein bleibt und bald andere Honigsorten nachziehen werden. Und auch wenn Honig nicht gesund wäre, so tut ein Löffel leckerer Honig auf jeden Fall der Seele gut.



[1] Eva Crane: The Rock Art of Honey Hunters. International Bee Research Association, Cardiff 2001, ISBN 0-86098-237-8, S. 19–22 (englisch).

[2] Dominik Berrens: Soziale Insekten in der Antike. Ein Beitrag zu Naturkonzepten in der griechisch-römischen Kultur. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018, ISBN 978-3-525-31053-3, S. 144–175.

[3] https://www.swr.de/swr2/wissen/Insekten-Die-Biene-in-der-Kultur,aexavarticle-swr-43134.html?fbclid=IwAR1LP8idMSuAYeVsM4mDNWgdmoECv9DoSuxmfsdd18HKCY-4qgliZaXuxl0

[4] Grossman R., The other medicines: the penicillin of bees. Pan Books, 1986, S177.

[5] Leading article. Honey: sweet and dangerous or panacea? SAMJ 1974; S.56.

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Honig#Heilmittel

[7] Kallmeier, Claudia, Wertvollen Manukahonig sicher bestimmen, Dresdner Universitätsjournal, 26. Jahrgang, Nr.6, S.3

[8] Kallmeier, Claudia, Wertvollen Manukahonig sicher bestimmen, Dresdner Universitätsjournal, 26. Jahrgang, Nr.6, S.3

[9] Bogdanov S (2009b). Honey as Nutrient and Functional Food. In: Book of Honey, Chapter 8. Bee Product Science, S.7.

[10] Katrina Brudzynski, Kamal Abubaker, Laurent St-Martin, Alan Castle, Re-Examining the Role of Hydrogen Peroxide in Bacteriostatic and Bactericidal Activities of Honey, Front Microbiol. 2011; 2: 213

[11] Aamir Shahzad, Randall J Cohrs,, In vitro antiviral activity of honey against varicella zoster virus (VZV): A translational medicine study for potential remedy for shingles, Transl Biomed. 2012; 3(2):

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